AMOR VACUI Leon Manoloudakis  •  Lukas Schmenger  •  Sven Fritz
2016
8.1 – 24.1
VISITING CURATORS
LEON MANOLOUDAKIS & CHARLOTTE SILBERMANN, frontviews, Berlin
LAGE EGAL RAUM FÜR AKTUELLE KUNST
Danziger Str. 145, 10407 Berlin (View on Map)


Those blind Spots
  • No one here, and the body says: whatever is said is not to be said. But no one is a body as well, and what the body says is heard by no one but you. Paul Auster, Disappearances (2001)

    Die Künstler Leon Manoloudakis, Lukas Schmenger und Sven Fritz, deren Arbeiten auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, vereint ein entscheidendes Moment: das des Verborgenen oder Entschwundenen, eine Affinität zum „nicht zeigen wollen“. Man könnte behaupten, das sei ein Phänomen abstrakter Kunst par excellence. Aber selten drängt sich das visuelle Entziehen so evident auf wie bei den Positionen von Manoloudakis, Schmenger und Fritz. Hier ist das Verschwundene nicht lediglich ein intellektueller Diskurs, um dem Abstrahierten eine Sprache zu geben, sondern wird wesentliches Thema und Technik des Bildes. Das Abwesende ist als spürbare Leerstelle konkret verhandelt. Dies mag daran liegen, dass alle Arbeiten, ob mit Cut-outs (Fritz), Überschreibungen, Überblendungen und Radierungen (Manoloudakis) oder Maskierung (Schmenger) auf das Nichtsichtbare im System ihres bildnerisch Dargestellten verweisen. Die Lücken im System sind bildtragende Elemente.

    Alle drei Künstler verfolgen eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit einem sehr eigenen Bildsystem. Der Dialog dieser Bildsysteme ist das produktive Spannungsfeld der Ausstellung, die zeigt, wie unterschiedlich der Leerstelle gehuldigt werden kann.

    In zeichnerischer Akribie lässt Manoloudakis großformatige Raster entstehen, die zwischen Tiefschwarz und den unterschiedlichsten Grautönen changieren. Der scheinbar geometrische Bildaufbau, der das Papier architektonisch einnimmt, ist dabei mitnichten hermetisch. Vielmehr sieht man auf eine lebendige, vielschichtige Oberfläche, die sich dem Geometrischen widersetzt. Das Gewebe aus Graphit weist Unbestimmtheiten auf, wie radierte Flächen und verschiedene Überlagerungsstadien. Hier wird dem kontrollierten System der Bildaufteilung eine willkürlich wachsende Geologie gegenübergestellt.

    Ebenso wie bei Manoloudakis die Graphitschichtungen, sind bei Lukas Schmenger die Porträtköpfe ein Bildsystem, an dem sich der Künstler immer wieder abarbeitet. Seine Porträts zeigen keine expliziten Gesichter, sondern setzen sich aus geschwungenen Linien oder haptischen Strukturen (in den Skulpturen) zusammen. Die Oberfläche der Köpfe, die Gesichter und ein imaginiertes Inneres werden überblendet. Der Kopf ist hier nicht vordergründig Visualisierung eines emotionalen Ausdrucks, sondern Zentrum unüberschaubarere kognitiver, emotionaler Prozesse, die nicht lesbar sind. Als würden sich Gehirnwindungen als abstrakte Farbbänder und Spiralzeichnungen um dem Kopf winden, wird das Gesicht zur organischen Maske.

    Sven Fritz' Bilder sind ein Zusammenspiel aus Abdrücken eines Dagewesen, das nur noch als Spur zu sehen ist, und graphisch komponierten Linien und Gesten, die frei im Bildraum schweben. Die Spur verweist auf eine vergangene Präsenz, die nun nur noch als Negativ sichtbar ist. Bei Fritz rückt das Bild als materieller Träger eines Rätsels in den Vordergrund. Die Bilder erscheinen wie Manifestationen des visuellen Vergessens, als visueller Überschuss, dem sich unsere Erinnerung verweigert.

    Charlotte Silbermann


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Photos courtesy of Piu Fox


In close collaboration with
 
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