LEER-STELLE Daniela Gugg  •  Thomas Prochnow
2013
8.3 – 13.4
VISITING CURATOR
MATTHIEU CHLADEK, Berlin
LAGE EGAL RAUM FÜR AKTUELLE KUNST
Danziger Str. 145, 10407 Berlin (View on Map)


#LEER-STELLE
– Ewig im werden, nie vollendet
– Edition 0020

  • Ein Laden, der aufgegeben wird, ein Gebäude, das verschwindet, oder ein Mensch, der plötzlich stirbt. All diese Ereignisse hinterlassen Leerstellen. Aber auch in der Literatur taucht dieser Begriff auf, um ein unmittelbares Aufeinandertreffen von Erzählsträngen zu beschreiben. Diese Stellen sind präsent in ihrer Abwesenheit. Man spürt und sieht, dass etwas fehlt, dass es nicht so ist, wie es mal war.

    Daniela Gugg und Thomas Prochnow beschäftigen sich beide mit diesem Begriff und den oben genannten Themen, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise. Wie kann man eine Leerstelle sichtbar machen? Wie reagiert die Umwelt? Und was bedeutet die Leerstelle in den Werken der Künstler? Diese Fragen werden in der Ausstellung interpretiert, aufgezeigt und vielleicht beantwortet. (Matthieu Chladek)

  • Skizze für Bratschenkonzert von Béla Bartok – Bratsche: Bernadett Kis ; Dramaturgische Beratung: Sonja Baude ; Idee und Realisierung: Daniela Gugg.

    Im Jahr 1945 erhält der aus Ungarn stammende Komponist Béla Bartók vom Bratschisten William Primrose den Auftrag ein Bratschenkonzert zu komponieren. Im Wettlauf mit seiner Erkrankung an Leukämie versucht Bartók sein angefangenes Klavierkonzert und parallel dazu das Bratschenkonzert fertig zu komponieren. Das Bratschenkonzert hinterlässt Bartók seiner Nachwelt in einem skizzenhaften Stadium mit vielen Leer-Stellen. Nachdem Bartók starb, beauftragte Primrose Bartóks Schüler Tibor Serly das Werk zu vollenden. Diese Version ist bis heute die bekannteste. Die Frage, ob eine unvollendete Komposition zu Ende komponiert werden soll, oder nicht, wird immer aktuell bleiben. Bernadett meinte dazu: In den Skizzen von Bartók ist zuwenig vorhanden um das Fehlende zu ergänzen und zuviel um es einfach in einer Schublade verschwinden zu lassen. Dazu kommt, dass für das Instrument Bratsche kaum Werke von namhaften Komponisten existieren. Das ist mit Sicherheit ein Grund, der für eine Vollendung der Skizze spricht.

    Nicht nur das Bratschenkonzert, auch ihre Forschung bleibt "Ewig im Werden, nie vollendet“. An der Vernissage wird die Bratschistin Bernadett Kis die Originalskizze Béla Bartóks interpretieren. Mit allem was da- und was nicht dasteht.

  • Die Leerstelle ist in erster Linie präsent durch die Abwesenheit. Sie wird durch ihre Begrenzungen und die Abwesenheit von Dingen definiert In der Künstleredition, mit dem Titel "0020" soll das Phänomen der Leerstelle anekdotisch, fast beiläufig sichtbar gemacht werden. Wie das Atemholen, das Blinzeln sind solche leere Stellen allgegenwärtig und begleiten uns im Alltag bewusst und unbewusst. Die Autoren und Künstler, die in dieser Edition vertreten sind, beschäftigen sich mit der Suche nach diesen Pausen. 

    Manche Autoren setzen sich mit Leerstellen in der Kunstgeschichte auseinander, während andere die Ausstellung LEER-STELLE an sich erklärend begleiten und die dort vertretenen Künstler Daniela Gugg und Thomas Prochnow vorstellen. Diese wiederum werden ihren eigenen Beitrag zu der Edition beisteuern, während Bruno Nagel mit einem Gedicht vertreten ist. Das Layout wird von der Grafikdesignerin Magdalena Dostal entworfen.

    Dass das Phänomen der Leerstelle immer mehr Interesse erfährt und immer "sichtbarer" wird, ist in einer Stadt wie Berlin, mit ihren Baubrachen, Durchbrüchen, den Neubauten und der ständigen Diskussion darum, nicht ungewöhnlich und aktueller den je.


Thomas Prochnow, \"Expedestruction\", 2013
Thomas Prochnow, "Expedestruction", 2013
Skizze für Bratschenkonzert von Béla Bartok – Bratsche: Bernadett Kis (7. März 2013)
Skizze für Bratschenkonzert von Béla Bartok – Bratsche: Bernadett Kis (7. März 2013)
(v.l.n.r.) Daniela Gugg, \"Das stille Tal\", 2013 ; \"Zwischen den Einträgen (1939–1945)\", 2013
(v.l.n.r.) Daniela Gugg, "Das stille Tal", 2013 ; "Zwischen den Einträgen (1939–1945)", 2013
Daniela Gugg, \"Das stille Tal\", 2013
Daniela Gugg, "Das stille Tal", 2013
Daniela Gugg, \"Zwischen den Einträgen (1939–1945)\", 2013 (Detail)
Daniela Gugg, "Zwischen den Einträgen (1939–1945)", 2013 (Detail)
Pierre Granoux with curator Matthieu Chladek (right)
Pierre Granoux with curator Matthieu Chladek (right)


Photos courtesy of Alex Ferraté



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