ZU VIEL REGEN… Claudio Wichert  •  Jennifer Oellerich
2013
16.6 – 2.8
CURATED BY
PIERRE GRANOUX
LAGE EGAL RAUM FÜR AKTUELLE KUNST
Danziger Str. 145, 10407 Berlin (View on Map)


Beschreibung
  • "Zu viel Regen am Anfang des Monats" war der Ausgangspunkt, der zu der Idee und dem Titel für die Ausstellung von Jennifer Oellerich und Claudio Wichert führte. Ein "Schicksalsschlag" der besonderen Art, ein besonders feuchter und regenreicher Sommermonat, wurde zum Verhängnis für hunderte von analogen Fotografien und Negativen aus dem Besitz von Claudio Wichert. Es handelt sich sowohl um private Fotos von teils sehr persönlichem Wert, aber auch bereits um künstlerisches Material aus den Jahren 1992 bis 2005. Ein Großteil der Fotos wurde dabei teilweise bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Dieses Material bildet den gemeinsamen Nenner der beiden Künstler für diese Ausstellung.

    Für Jennifer OELLERICH war es von besonderem künstlerischen Interesse, mit diesem Material zu arbeiten, da sie sich in ihrer Arbeit den unterschiedlichen Wetterphänomenen und deren Spuren widmet. Die Künstlerin bewegt sich in ihrer Arbeit zwischen Wissenschaft und Poesie, sie beobachtet, sammelt und archiviert Niederschläge wie Regen und Schnee, und verwendet diese als  "pencil of nature": die Spuren von Tropfen zerstören und erschaffen Bildergebnisse, Oberflächen werden aufgebrochen und eine poetische Verbindung zur Innenwelt der Künstlerin wird über die Auswahl und Weiterbearbeitung der Ergebnisse hergestellt. Neben dem Wetter mit seiner eigenen Metaphorik, interessieren sie seit einiger Zeit auch Wasserschäden in Privathaushalten und deren graphische Qualität. Aus diesem Grund waren die zerstörten bzw. vom Wasser "überschriebenen" Fotos und Negative für sie ein interessanter Ausgangspunkt für die Fortsetzung ihrer Arbeit.

    Für Claudio WICHERT war es, neben dem ästhetischen Reiz, vor allen Dingen ein persönlicher. Das subjektive Seinsempfinden bildet grundsätzlich die Essenz all seiner Arbeiten. Das fotografische Material ist für ihn Teil der eigenen Vergangenheit, die letztlich als subtiler, roter Faden in all seinen Arbeiten mitschwingt. Die Fotos sind Teil seiner Identität, bilden aber auch einen neuen, persönlichen Ansatz für eine Identitätssuche im hier und jetzt. Die Suche nach (Selbst-) Erkenntnis, und die Dinge, die sich auf diesem Wege offenbaren, sind der wesentlichste Antrieb des Künstlers. Es sind also zwei unterschiedliche Positionen, die denselben Ausgangspunkt zum Gegenstand haben. Das Material besitzt dabei von vorn herein eine große Aufgeladenheit und eine Vielzahl von Ansatzmöglichkeiten. Die Gefahr der Beliebigkeit ist groß, deshalb galt es, vorhandenes herunterzubrechen, herauszulösen, zu komprimieren. Gleichzeitig aber auch, dem Material seinen eigenen Stempel aufzudrücken.


(v.l.n.r.) Claudio Wichert, \"Untitled (tree), 2013 ; Jennifer Oellerich, \"Kellerlagune I–V\", 2013 ; Claudio Wichert, \"Back then (triptych)\", 2013
(v.l.n.r.) Claudio Wichert, "Untitled (tree), 2013 ; Jennifer Oellerich, "Kellerlagune I–V", 2013 ; Claudio Wichert, "Back then (triptych)", 2013
Claudio Wichert, \"no future\", 2013 ; Jennifer Oellerich, \"Histories Rewritten III\", 2013
Claudio Wichert, "no future", 2013 ; Jennifer Oellerich, "Histories Rewritten III", 2013
(right) Claudio Wichert, \"Untitled\" (diptych), 2013
(right) Claudio Wichert, "Untitled" (diptych), 2013
Jennifer Oellerich, \"Histories Rewritten III\", 2013
Jennifer Oellerich, "Histories Rewritten III", 2013
Jennifer Oellerich, \"Histories Rewritten I\", 2013
Jennifer Oellerich, "Histories Rewritten I", 2013
Jennifer Oellerich, Claudio Wichert (photo courtesy of LAGE EGAL)
Jennifer Oellerich, Claudio Wichert (photo courtesy of LAGE EGAL)

Photos courtesy of the artists



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