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Gabriel Braun, In the Rackroom (Link zur Ausstellung), 25. April – 16. Mai 2014

Der Name des Projektraumes lädt ein, sich genauer umzusehen. An der Danziger Straße, die eine Schneise durch Prenzlauer Berg schlägt und den aufgeräumten Teil vom unaufgeräumten zu trennen scheint, an dem sich die bundesweite Reputation der Latte-Macchiato-Uniformität des Viertels wider­legen ließe, liegt LAGE EGAL.

Der französische Konzeptkünstler Pierre Granoux ist Mitgründer des Raumes und seit September 2012 auch der künstlerische Leiter. Lage Egal nennt er seine „Boîte-en-Valise“. In Granouxs geräumiger Kofferschachtel befinden sich nicht, wie in Marcel Duchamps „Boîte“, auf die der Künstler sich bezieht, Miniaturen seiner Arbeiten, sondern – für die Besucher bis auf letztere gut verborgen – sein Atelier, Büro, Werkstatt, Lager und die beiden Ausstellungsräume.

Pierre Granoux möchte nicht nur selbst Kunst schaffen, sondern vor allem auch teilhaben an ihrer Vermittlung im Stadtraum. Deshalb hat er die Ausstellungsräume jetzt um den „Rackroom“ erweitert, der mit einer Ausstellung des Malers und Bildhauers Gabriel Braun eröffnet wurde. Den „Rackroom“ versteht Granoux im wörtlichen Sinne als eine Durchreiche oder Ablage – als einen Raum des Übergangs. Hier werden Werke direkt aus dem Atelier oder, wie bei Gabriel Braun, die Arbeitsergebnisse eines Kunststipendiums in Südfrankreich, einem breiteren Publikum präsentiert.

Gabriel Braun zeigt eine Serie von vierundzwanzig Holzschnitten, die zu einem großen, bunten Rechteck angeordnet wurde. In den neuen Arbeiten finden sich Kreise, Dreiecke oder Linien, die auseinandergenommen, neu zusammengefügt oder gegenübergestellt werden. Diese geometrischen Formen sind, wie bei den Skulpturen des Künstlers, das sich wiederholende Moment der Abstraktion.

Der Minimalismus der Holzschnitte verweist zunächst auf eine strenge Komposition der Bilder. Aber auch mit der Reduktion auf die Gestaltungsprinzipien Form und Farbe sind die Arbeiten sinnlich. Das liegt an dem malerischen Moment, der durch die Maserung des Holzes auf dem Papier erkennbar ist. Dann weiter daran, dass auf einige Druckstöcke Späne, übrig geblieben von den Gravuren der Platten, oder Erde, von den um das Atelier liegenden französischen Feldern, appliziert wurde. Die Spuren, die sie auf den Handabzügen hinterlassen, springen wild durcheinander und erinnern an die Experimente zur Gedankenfotografie von Louis Darget. Würden die Arbeiten aus dem Labor des Forschers stammen, dann wären es schöne Gedanken, die auf den Papieren aufgezeichnet sind.

Den Holzschnitten zur Seite hängen die Objekte „o.T. (Runde Tafel, Magenta)“ und „o.T. (Runde Tafel, Mint)“ (2013). Die großen Kreise sind aus Holzplatten gefertigt, in die rautenförmige Muster gefräst wurden. Das mit mehreren Lackschichten überzogene Holz wurde weiter bearbeitet, sodass einzelne Farblagen durchschimmern und der Oberfläche ein marmorartiges Aussehen geben.

Die gezeigten Arbeiten von Gabriel Braun stammen ­formal und in ihrer Farbigkeit unverkennbar aus einer Familie, doch scheinen die Kreise etwas streng auf die kleineren Holzschnitte zu blicken. (Rebecca Hoffmann – courtesy vonhundert)


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